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2002 / Nr. 5
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| Allensbach am Bodensee, Ende Februar 2002 - Das deutsche Ergebnis der Pisa-Studie, in der die Leistungen von Schülern international verglichen wurden, hat nicht nur Schulexperten in Deutschland erschreckt. Auch die Mehrheit der Bevölkerung findet das Abschneiden der deutschen Schüler alarmierend. 60 Prozent der Bevölkerung sehen in den Ergebnissen der Pisa-Studie den Beleg, "daß die Ausbildung an unseren Schulen nur ungenügend ist". Jeder vierte (25 Prozent) möchte das, was für Deutschland bei der Studie herausgekommen ist, allerdings nicht dramatisieren: "Die Ergebnisse einer solchen Studie sagen über die Wirklichkeit an unseren Schulen oft nur wenig aus. So schlecht, wie diese Studie sagt, ist unser Schulsystem nicht."
Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Februar dieses Jahres durchgeführt hat. In Ostdeutschland ist der Anteil derer, die über die Pisa-Studie alarmiert sind, mit 67 Prozent noch deutlich größer als im Westen (59 Prozent).
Die Allensbacher Umfrage zeigt allerdings auch, daß die Bevölkerung von dem schlechten Abschneiden der deutschen Schulen und Schüler keineswegs überrascht ist. Schon lange vor "Pisa" waren die meisten in Deutschland davon überzeugt, daß "den Schülern heute in den Schulen nicht das Wissen vermittelt wird, das sie in einer modernen Gesellschaft brauchen." Als das Allensbacher Institut 1994 zum ersten Mal danach fragte, gaben 65 Prozent ihren Zweifel zu Protokoll. Nur 22 Prozent glaubten, daß die Schulen noch ein angemessenes Wissen vermitteln. 1998 war die Zahl derjenigen, die der Schule gegenüber positiv eingestellt waren, schon auf 18 Prozent kleiner geworden und hat sich jetzt nach "Pisa" auf 11 Prozent halbiert. Der Anteil der Kritiker, die den Eindruck haben, daß die Schulen ihre Aufgaben nur schlecht erfüllen, ist entsprechend auf 79 Prozent angewachsen.
Die Mehrheit der Bevölkerung sieht auch immer deutlicher, worauf es ankommt. Denn es klingt ja nur vordergründig plausibel, wenn gefordert wird, daß die Kinder an den Schulen auf das Berufsleben vorbereitet werden sollten. In einer Zeit des rasanten Wandels von Berufsbildern und beruflichen Anforderungen, in der viele im Laufe des Lebens flexibel verschiedene Berufe erlernen müssen, kommt es vor allem auf eine breite Allgemeinbildung an. Mehr als jeder zweite Befragte (51 Prozent) hat das inzwischen erkannt. Vor vier Jahren glaubten erst 48 Prozent, daß Allgemeinbildung wichtiger ist als eine frühe Festlegung auf eine bestimmte Berufsrichtung. Daß die Forderung nach einer möglichst breiten Allgemeinbildung von den Leitenden aus Wirtschaft und Verwaltung (63 Prozent) ganz besonders betont wird, ist nur eine Bestätigung dafür, daß die Bevölkerung die Dinge in diesem Punkt richtig sieht.
Nach "Pisa" ist die generelle Kritik an den Schulen und an unserem Schulsystem nur noch schwer zu beschwichtigen. Doch die Bevölkerung weiß sehr wohl zu differenzieren. Man kann das in den demoskopischen Daten daran erkennen, daß diese Kritik je nach Region und Zuständigkeit verschiedener Schulministerien auffallend unterschiedlich ausfällt. Wenn man das Schulsystem (Organisation der Schulen, ihre Ausstattung und das, was in ihnen geleistet wird) von der Bevölkerung benoten läßt, schneiden Bayern und Baden-Württemberg am besten ab. In diesen Bundesländern ist durchschnittlich etwa jeder dritte Erwachsene auch nach "Pisa" noch mit dem Schulsystem (sehr) zufrieden. Am schlechtesten wird Berlin beurteilt. Dort kann man den Prozentsatz derjenigen, die mit der Schule zufrieden sind (9 Prozent), mit den Fingern abzählen.
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